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015

Xorn

Kathy · 30.08.2026 · Tag 98 im Großen Zyklus Klarzeit

Der Wind hatte immer mehr aufgefrischt, während ich die Stufen nach unten ging. Der Palast war nach oben einige Stockwerke, aber es gab noch viel mehr nach unten. Meine Schuhe hallten auf dem Gang, und ich hatte es nicht eilig; die Rote war nun einige Tage her, und meine Aufgabe würde heute ihren Anfang und auch ihr Ende finden. Ich durchquerte ein paar Türen, die nur selten jemand zu Gesicht bekam, die fünf Oberen sicherlich – vielleicht auch noch von ihnen Ausgewählte, aber eigentlich war nur ich es, der hier regelmäßig langging. Immer nach der Roten, immer wenn die Neuen da waren.

Mein Name wurde im Orden nur genannt, wenn man davon sprach, dass eine Rote anstand; wenn es so weit war, dass man sich entschieden hatte, dann rief man Xorn. Nicht dass ich was mit dem Abfangen, Einfangen oder Hierherbringen zu tun hätte, das machten andere. Ich war es, den sie brauchten, wenn die neue Ware für ihre Bedürfnisse hergerichtet werden sollte.

An einer letzten großen Tür blieb ich stehen. Ich öffnete sie mit einem dumpfen Laut. Der Raum war groß und ziemlich funktional, er war vor allem klinisch rein, wie man ihn beschreiben könnte. Ich hasste es, wenn jemand hier mit schmutzigen Schuhen ankam. Dieser Ort musste so sein, denn was hier passierte, duldete keinen Schmutz.

Ich hörte die Geräusche, die die Ware machte, als sie vom Licht geblendet wurde, das ich mit einem einfachen Mechanismus entzündete. Die Öllampen flammten fast alle gleichzeitig auf und ließen den Raum sehr viel heller strahlen, als er war, was sicher auch an den weißen Wänden lag. Ich zog meine Schuhe aus und schlüpfte in andere, selbst meine Kleidung legte ich ab und zog mir einfache, funktionale Kleidung an.

Mein erster Gang war zu meinem Schreibtisch, fünf Akten lagen dort, fünf Leben, die mit der letzten Roten aufgehört hatten zu existieren. Sie waren nicht wie fünfundfünfzig andere auf ein Schiff verladen worden, sie waren hierhergebracht worden. Ich musterte die Akten. Alle hatten genau das richtige Alter, die richtige Schönheit, wobei das eher marginal war; schön war eh im Auge des Betrachters etwas Individuelles. Sie alle waren gerade in keinem allzu guten Zustand, die Haut war fahl, und es galt, etwas daran zu ändern. Jedoch waren sie so auch nicht so widerspenstig, denn die Anpassungen mussten gemacht werden.

Ich richtete mich wieder auf, die fünf Augenpaare starrten mich an, ich hörte Kettengerassel, als ich näher trat. Die Käfige, in denen sie saßen, waren nicht sehr groß, aber zweckmäßig; sie konnten sitzen oder stehen. Aber sich nicht hinlegen. Im Moment saßen sie alle, ihre Münder waren verschlossen mit einer Konstruktion aus Metall, die sich über ihren Kopf zog. An diesem Geschirr war eine Kette angebracht, die außerhalb des Käfigs zu einer Kurbel führte. Dorthin ging ich nun, ich drehte sie, und alle mussten wohl oder übel aufstehen.

Jetzt konnte ich ihre Körper ganz sehen, sie hatten keine Falten, sicher bei Licht die richtige grüne Farbe, ihre Augen blitzten vor Angst, sie verstanden noch nicht, was mit ihnen passierte, aber auch das wunderte mich nicht, es hatte ihnen ja keiner gesagt. Ich ging zum ersten Käfig, die Frau zuckte nach hinten, als ich die Tür öffnete, ihre Hände wollten mich abwehren, aber ich zwang sie mühelos zur Seite, meine Hand glitt über ihre Haut, über ihre Beine, dann nickte ich. „Gut, du bist die Erste." Ich löste das Kopfgeschirr. Sie begann sich zu wehren, was mich zum Schmunzeln brachte, weil sie so leicht war und es gar keinen Effekt hatte.

In der Mitte des großen Raums standen fünf große Tische, wie passend, dachte ich mir, als ich sie darauf ablegte. Sie waren schmal, so schmal, dass eine schlanke Frau gerade so mit dem Rücken auflag, das reichte auch, ihr Kopf lag in einer Mulde und wurde leicht überstreckt, ich hakte das Kopfgeschirr ein und begann ihre Hände nach hinten unten zu fesseln, sie strampelte mit den Beinen, was mich nur noch mehr amüsierte, ich fing sie ein und faltete sie förmlich. Ihr linkes Bein wurde seitlich nach außen gedreht, bis ihr Knie fast neben ihrer Brust lag, dort schlang ich den Riemen fest um ihren Schenkel und dann um ihren Unterschenkel. Mit dem rechten verfuhr ich genauso. Sie lag nun völlig geöffnet und fixiert vor mir, aber das reichte mir noch nicht. Die dichten Riemen aus Fischhaut wurden ihr noch um den Oberkörper gelegt. Gegenwehr, Zappeln, das ging nicht mehr, ich hörte ihr schnelles Atmen, die Laute, die Angst. Ich muss zugeben, immer wieder erregte es mich genau an der Stelle.

Es dauerte nicht lange, bis ich die anderen ebenso an ihre Tische gefesselt hatte. Ein leises Summen kam über meine Lippen, als ich einen Schrank öffnete. Dieses Vorgehen hier ging nur an Tagen, in denen die Gelbe kam, wenn der Wind lang und stark genug war, um eine Turbine anzutreiben, die so versteckt stand, dass niemand sie je zu Gesicht bekam. Sie war nicht groß, aber sie lieferte für das, was ich tat, genug Kraft.

Ich konnte auch nicht sagen, wie das alles funktionierte, ich hatte es bekommen, ich nutzte es. Ich holte einen Wagen heraus, fuhr ihn in die Mitte und drückte zwei Knöpfe. Über uns öffnete sich die Decke, und große, helle Scheinwerfer erschienen, Dinge, die hier auf dem Festland niemand bauen könnte, aber es gab von Achais genug Material, und ich war mir sicher, der Orden hatte das genau so bestellt.

Meine fünf starrten nach oben, sie wussten nicht, was passieren würde, und das war auch gut so. Ich fing an, die Knebel auszutauschen. Alle versuchten in diesen Momenten, mich anzuflehen, aber das war zwecklos, ihr Schicksal beschlossen. Die neue Konstruktion war weit grausamer als der Knebel; es waren Mundsperren, die nun ihre Münder so weit spannten, wie es ging. Sie keuchten vor Schmerz, aber das würde mehr werden. Im nächsten Schritt ging ich nach hinten, eine kleine Esse stand dort, es dauerte einen Moment, bis ich so weit war, dann brannte sie. Kurz prüfte ich das Brandzeichen, aber auch etwas aus Eisen, was gleich noch eine Rolle spielen würde.

Ich ging zurück zu meinem Wagen und nahm eine Art Zange heraus. Sie war etwa so breit wie eine Zunge und hatte an ihrem vorderen Ende einen Mechanismus, der scharf genug war, um mühelos Fleisch zu durchtrennen. Sicher, es war grausam, aber die Möglichkeit, dass eine der Sklavinnen floh, war immer mit eingepreist. Wenn das passierte, sollte sie nicht reden können; überhaupt, diese Mädchen waren nicht dafür da, um sich zu unterhalten, und ihre Dienste konnten sie auch so verrichten.

Das erste Mädchen starrte mich panisch an, als ich die Zange ansetzte und ihre Zunge erst nach vorne zog und dann den Mechanismus so befestigte, dass ich gleich nur zudrücken musste. Pfeifend ging ich zur Esse, die jetzt schon gut glühte, und nahm das zweite Werkzeug heraus. Sicher, es war roh, aber Wunden auszubrennen verschloss sie eben auch. Ich trat neben das panisch atmende Mädchen und betätigte dann den Schneidemechanismus. Kaum war der Schmerz im Gehirn angekommen, da hatte ich schon das glühende Eisen gegen den Stumpf gedrückt. Gut, man verbrannte immer ein wenig mehr, aber das heilte auch. Langsam zählte ich bis zehn und nahm dann beides aus dem Mund des Mädchens. Nun schrie sie – gellend, wie von Sinnen, während ich die erste Zunge in eine Schale fallen ließ und zum zweiten Mädchen trat.

Die anderen Mädchen hatten nicht genau gesehen, was passiert war, ihre Köpfe waren ja auch festgebunden, aber sie wussten, dass irgendwas passierte, was grausam war. Nicht dass mich das hinderte weiterzumachen. Nach einer Weile waren alle Mädchen ihre Zunge los, und ich tätschelte der letzten die Brust: „So, das hätten wir schon mal geschafft." Keine war gerade noch gut bei sich, aber das war mir nur recht.

Denn was nun kam, würde sich bei jeder eine gute Stunde ziehen und ihren Zustand nicht gerade verbessern. Ich summte wieder, während ich nach einer neuen Zange griff. Ihre Augen faszinierten mich einen Moment, ihre dunklen Haare hingen herunter, während sie mich anstarrte, panisch, so voller Angst und fast weggetreten vom Schmerz. Aus Erfahrung wusste ich, sie würde nicht mehr lange bei Bewusstsein sein; der Körper half einem. Ich zuckte leicht mit den Schultern und begann summend, die ersten Zähne zu ziehen, was jedes Mal ein wirklich widerliches Geräusch machte, wenn sie aus dem Kiefer kamen.

Die Schreie erstarben nacheinander. Ich sah, dass sie atmeten, und das reichte mir. Blut lief über ihre Wangen, und es war wirklich eine Schweinerei, jedes Mal wieder. Als ich am Ende angekommen war, schüttelte ich den Kopf. Ich war mit Blut bespritzt und die Mädchen auch, mir blieb wohl nichts anderes übrig, als sie zu säubern. Was ich dann tat: kaltes Wasser, ein Mittel, das den schlimmsten Schmerz nahm und gleichzeitig auch bei der Heilung unterstützte. Nach und nach kamen sie zu sich. Ein wenig fasziniert sah ich zu, während sie verstanden, was passiert war, der Schmerz immer noch da. Ich nickte nur ein wenig und begann dann, das Nächste vorzubereiten.

Es war eine Salbe, und ich hatte wirklich lange Dinge ausprobiert; im Hinterland hatte dann einer meiner Ordensbrüder diese Pflanze gefunden, die menschliches Haar nicht nachwachsen ließ. Sie alle hatten Körperhaare, etwas, das sie nicht mehr brauchten. Ich streifte die Handschuhe aus Fischhaut über meine Hände und begann sie einzucremen, vor allem ihre Geschlechtsteile. Es war wichtig, nackt zu sein, wirklich nackt. Die Salbe mochte ein wenig brennen, aber gegen einen gezogenen Zahn wirkte sie wohl wie eine Wohltat. Immer wieder achtete ich dabei auf die Esse, denn das Brandzeichen war immer das Ende.

Dann stellte ich eine Sanduhr um, etwas, das ich selber erfunden hatte. Primitiv, aber die Salbe wirkte eben am besten, wenn man genau die Menge an Sand durchlaufen ließ. Wieder erfreute ich mich an dem Stöhnen und Winseln, während ich die Scheinwerfer in Position brachte; die Frauen brauchten Licht nicht nur, um besser zu heilen, sondern um überhaupt zu essen. Die Strahler explodierten förmlich, als ich einen Schalter umlegte, und tauchten die fünf in so grelles Licht, dass man sich besser abwandte oder die Augen schloss. Ich zog es vor, mich abzuwenden, die Kapuze tiefer über meinen Kopf zu ziehen und so dem Licht zu entkommen.

Ich hatte keine Ahnung. Mein Ordensbruder, der mir das angebracht hatte, hatte mir gesagt, es müsse so hell sein, weil es die blaue Sonne widerspiegelte. Ich schüttelte den Kopf. Gut, dass ich das nicht mehr brauchte. Langsam setzte ich mich und begann, in die fünf Akten einzutragen, was ich getan hatte. Es gab über jede Sklavin in diesem Haus eine solche Akte. Ich nahm mir Zeit, ich war gründlich, wie bei allem, was ich tat. Deswegen war ich der Beste für diese Arbeit; mir starb nie eine weg.

Als die Sanduhr abgelaufen war, legte ich den Schalter um. In der Tat hatte es scheinbar geholfen, die Leiber waren nun weit grüner, noch nicht tief, aber durchaus so, dass ich erkennen konnte, sie waren halbwegs genährt. Ganz funktionierte das nicht, aber für die nächsten Stunden musste es reichen. Ich entfernte die Reste der Salbe und trug eine weitere Creme auf, diese aber nur, um die Haut zu pflegen. Ich besah mir die leeren Münder, auch hier schien es voranzugehen, also löste ich die Knebelsperren und ließ die Mädchen schluchzen und wimmern. Ihre Worte waren keine mehr, eher ein ungelenkes Versuchen, ein Wort zu sprechen, doch ohne Zunge war ihnen das kaum möglich. Gleichwohl war mir klar, dass die Mädchen untereinander eine Art Sprache entwickelt hatten, sich verstanden. Wie das ging, war für mich interessant, aber nicht mehr.

Erst jetzt sprach ich mit den Mädchen: „So, meine Schönen, jetzt bekommt ihr noch euer Abzeichen, und dann dürft ihr noch ein wenig im Käfig warten und abheilen. Nach der Gelben geht es für euch nach oben und ins Training." Ich wusste, dass meine Stimme durchaus krächzend wirkte, nicht sehr freundlich. Die Mädchen wimmerten, weinten und stemmten sich in die Fesseln, aber natürlich änderte alles nichts daran, dass ich das Brandeisen herausholte. Es war ein feines Brandeisen, eins, das jede Sklavin trug, rechts oben neben der Brust, fast auf Höhe der Schulter, dazu eine kleine Zahl, die ich gleich mit Tinte in ihre Haut bringen würde.

Der Geruch im Raum veränderte sich, als ich begann, das glühende Eisen der ersten auf die Stelle zu drücken. Wieder waren grausam grelle Schreie zu hören, wieder störte mich genau das nicht. Ich nahm mir Zeit, jeder die Zahl einzutätowieren – 241 bis 245 –, erst als ich damit durch war, lächelte ich. „Na seht ihr, schon geschafft." Ich schob meinen Wagen zurück, stellte die kleine Turbine ab, die Leuchten verschwanden wieder in der Decke, bis zum nächsten Mal.

Dann löste ich die erste, nur um sie in den Käfig zu sperren, dieses Mal ohne jeden Knebel, der war schlicht nicht nötig. Ich wiederholte es bis zur letzten. Einen Moment lächelte ich, da waren sie nun alle vorbereitet, aber noch entstellt, ihre Gesichter noch geschwollen, aber alle unberührt und bald auch wieder schön. Ihre neuen Aufgaben würden sie schon lernen. Ich vergewisserte mich noch mal, ob die Käfige auch wirklich geschlossen und die Schlösser zu waren. Das waren sie, es war spät oder früh, wie auch immer.

Doch ich wäre nicht ich gewesen, hätte ich nicht noch alles gereinigt. Ich hinterließ diesen Raum niemals schmutzig, niemals voller Blut. Erst als alles zufriedenstellend wiederhergestellt war, warf ich noch einen Blick auf die im Käfig zusammengekauerten Frauen. Eine fuhr ständig über ihren Mund, als könnte sie nicht glauben, was ihr passiert war. „Na na, nicht dass sich da noch was entzündet", mahnte ich mit einem Kichern, winkte dann aber ab. Mit einem letzten Blick drehte ich mich um, zog meine schmutzige und blutverschmierte Kleidung aus und tauschte sie, dann zog ich den Mechanismus. Als ich die Tür öffnete, erstarb sofort jedes Öllicht und tauchte den Raum in Dunkelheit. Mit einem letzten „Schlaft schön" und einem dumpfen Kichern ging ich hinaus. Es war wirklich Zeit, sich ein wenig hinzulegen.