Talvenn

Drei Sonnen · ein Kalender · zwei Ufer
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Der Körper

Die Menschen Talvenns sind grün. In ihrer Haut sitzt ein Pigment, das unter dem blauen Licht Energie gewinnt — kein zweiter Stoffwechsel, aber ein Zuschuss, der über schlechte Jahre trägt. Es absorbiert Blau und Rot und reflektiert Grün.

Unter der roten Sonne wird dasselbe Pigment überreizt und zerfällt zu einem Stoff, der ins Blut geht. Er entsteht im Körper, nicht in der Luft — deshalb hilft kein Tuch, kein Filter, keine Maske. Nur Dunkelheit.

Je kräftiger das Pigment, desto heftiger die Reaktion. Wer seit Generationen unter freiem Himmel arbeitet, ist tief gefärbt und wird beinahe wahnsinnig. Wer seit Generationen im Schatten lebt, ist blass und übersteht es mit Kopfschmerzen.

Blass ist ein Mangel. Wer über Generationen kaum Licht bekommt — in engen Gassen, in Kellerwohnungen, bei Arbeit ohne Tageslicht —, verliert die Farbe und mit ihr den Zuschuss. Er muss mehr essen, ermüdet früher und schmeckt den Rost später als andere, was ihn gefährdet. Tiefgrün heißt gesund und gut versorgt; wer wohlhabend ist, hat den Dachgarten.

Auf Achais gilt das Umgekehrte. Dort ist blass der Adel und grün die frisch angekommene Ware. Wer übers Wasser geht, wechselt die Bedeutung seiner Haut, ohne dass sich etwas an ihm ändert.

Licht ist eine Ration. Wer tief gefärbt ist, deckt einen Teil seines Bedarfs über das Licht. Nimmt man ihm die Sonne, hungert er auf eine Weise, die Essen nicht behebt: erst Müdigkeit, dann Wunden, die nicht zugehen, dann Gleichgültigkeit. Blasse kennen das nicht und halten es für Trägheit.

Sechs Tage im Riegel sind sechs Tage ohne. Man kommt blass und hungrig heraus. Deshalb füllen sich die Lichtterrassen, sobald aufgeschlossen wird.