Talvenn

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Lore

Die Schrift

Betrifft beide Seiten

Schrift

Kurz: Auf dem Festland gibt es nur eine Schrift, und sie gehört dem Zirkel der Stunde. Die Schließerzunft darf eine verkürzte Fassung davon benutzen, die Zunftschrift. Sonst kann dort niemand lesen. Auf Achais ist Schrift alltäglich und mit dem Festland nicht verwandt.

Gilt für: Festland und Achais, aber jeweils völlig verschieden.


Festland

Herkunft

Die Zeichen des Zirkels sind von der Zunge abgeschrieben — dem Gerät, das der Orden ablesen kann. Sie sind also nicht entstanden, sondern kopiert worden. Was die Zeichen ursprünglich bedeuteten, weiß niemand.

Sie stehen jeweils für einen ganzen Begriff, nicht für einen Laut. Man kann sie deshalb nicht erschließen, indem man sie zusammensetzt: Wer nicht gelernt hat, was ein Zeichen bedeutet, kommt nicht darauf.

Der Orden lehrt, die Schrift sei den Ersten abgesehen. Das ist insofern richtig, als sie tatsächlich von deren Hinterlassenschaft stammt.

Wer lesen kann

  • Der Zirkel der Stunde — vollständig, in eigener Ausbildung.
  • Die Schließerzunft — die Zunftschrift, eine verkürzte Fassung.
  • Sonst niemand. Lesen zu können heißt auf dem Festland, dem Orden

anzugehören, der Zunft anzugehören, oder sich etwas angeeignet zu haben.

Die Zunftschrift

Der Zirkel unterrichtet Schließer, damit die Hallen erfasst werden können. Der Umfang ist begrenzt: Namen, Zahlen, Hallenzeichen, Datumsangaben, ein paar feststehende Wendungen für Vorfälle. Kein zusammenhängender Text.

Wer die Zunftschrift kann, erkennt in einem Ordensbuch die Zeichen wieder und versteht trotzdem nicht, was dort steht. Das ist beabsichtigt.

Gegenleistung: Die Bücher der Hallen sind für den Orden einsehbar. Der Zirkel weiß dadurch, wer wo eingeschlossen wird, ohne selbst eine Halle zu betreiben. Wie oft tatsächlich jemand hineinsieht, ist eine andere Frage.

Die Bücher

Jede Halle hat eines. Eingetragen werden Name, Hallenzeichen, Anwesenheit vor dem Riegel und Vorfälle danach. Wer nicht antwortet, wird durchgestrichen.

Zusätzliche Einträge sind nicht vorgesehen. Wer sie macht — etwa Namen für ungezählte Kinder —, verstößt gegen die Ordnung, und es fällt nur auf, wenn jemand nachliest.

Wie Bewahrer es lernen

Nicht durch Unterricht. Bewahrer sitzen während des Riegels tagelang neben dem Buch und sehen zu. Die meisten können die Zunftschrift lange, bevor sie sie lernen dürfen. Offiziell wird das nicht zur Kenntnis genommen.


Achais

Schrift ist alltäglich. Kontore, Ämter, Häuser, Verträge, Anschläge an Mauern. Wer nicht lesen kann, gilt als ungebildet, nicht als normal.

Die achaische Schrift ist alphabetisch: Zeichen stehen für Laute und werden zu Wörtern zusammengesetzt. Mit der Schrift des Zirkels hat sie nichts zu tun.

Warum niemand die Zunftschrift entziffert

Nicht, weil es unmöglich wäre — sondern weil niemand es versucht.

  • Die Zeichen stehen für Begriffe, nicht für Laute. Wer alphabetisch denkt,

kommt damit nicht weiter.

  • Es fehlt Vergleichsmaterial. Ein einzelnes Ankerzeichen trägt wenige Zeichen;

daraus lässt sich nichts erschließen.

  • Es sieht nach Zierrat aus. Man nimmt einer Grünen ein Metallstück ab, dreht

es um, sieht ein Muster und legt es weg. Dass auf dem Anhänger einer Wilden Schrift stehen könnte, kommt niemandem in den Sinn.

Folge für Festländer auf der Insel

Ein Festländer, der lesen kann, ist auf Achais eine Unmöglichkeit. Niemand rechnet damit. Wer es bemerkt, hält es zuerst für Zufall.

Kann ein grüner Diener oder eine Gesellschafterin lesen, was auf einem Tisch liegt, ändert das die Lage grundlegend: Aus Besitz wird ein Risiko — oder eine Gelegenheit, je nachdem, wer es zuerst merkt.


Die Ähnlichkeit

Zunge und Allwissende Mutter stammen aus derselben Hinterlassenschaft. Die Zeichen an beiden sind deshalb dieselben.

In der Ehrwürdigen Halle unter dem Goldenen Saal stehen Zeichen an der Wand. Der Hohe Rat hält sie für Zierat aus alter Zeit; sie werden bei Ausbesserungen nachgezogen, ohne dass jemand sie deutet. In den Elfenbeintürmen von Evorc liegen Abschriften davon, weil die Technokraten alles aufzeichnen, was zur Anlage gehört.

Wer die Zunftschrift beherrscht, erkennt in diesen Zeichen einen Teil seiner eigenen. Nicht alle — die Zunftschrift ist ja verkürzt —, aber genug, um zu begreifen, dass es dieselbe Schrift ist.

Umgekehrt gilt: Wer die Abschriften aus Evorc kennt und ein Ankerzeichen in die Hand bekommt, kann dasselbe bemerken.

Das ist der einzige greifbare Zusammenhang zwischen beiden Ufern, den ein Mensch bemerken könnte, ohne von der Existenz des jeweils anderen zu wissen.


Offen

  • Wie lange dauert die Ausbildung eines Schließers in Zunftschrift, und wo

findet sie statt?

  • Was geschieht mit jemandem, der sich die volle Ordensschrift aneignet?
  • Gab es je den Versuch, eine eigene Schrift zu entwickeln?
  • Wie viele Zeichen umfasst die Zunftschrift, wie viele die volle?
Geändert 19.08.2026 18:16 von Kathy